Hexenjagd 2010 oder “Wir machen Stimmung gegen Google…!”

Hexen verboten!Wir hatten unlängst schon in unserem Blog-Post „Deutsche Krankenkassen sollen auf Google Analytics verzichten“ berichtet, wie plötzlich Google Analytics ins Kreuzfeuer der Kritik bei Krankenkassen-Websites geraten ist.

Unlängst wurde ein Artikel auf http://www.ibusiness.de/members/aktuell/db/238225fb.html veröffentlicht, in dem einmal mehr „jeder“ etwas zu sagen hat – vor allen Dingen, wie „schlimm“ doch Google und seine Datensammlerei sei… Die Einleitung:

Die Ankündigung deutscher Datenschützer, gegen die Anwendung von Google Analytics zur Homepage dieses Unternehmnes Relation Browser vorgehen zu wollen, hat Aufregung in der Branche verursacht. Die Datenschützer von Bund und Ländern verkündeten jüngst ihre Ansicht, dass die Benutzung des Tools gegen deutsches Recht verstoße. Nach dem Telemediengesetz könnten demnach Bußgelder von bis zu 50.000 Euro drohen.

Die moderne Inquisition

Diese Schilderung kommt im Großen und Ganzen einer modernen Inquisition auf zivilisierterem Niveau gleich: Der Datenschützer (Geistliche) versteht etwas (Tracking, Marketing, Conversion-Optimierung, etc.) nicht wirklich und tut das Ganze als schwarze Magie bzw. Blasphemie („…wer weiß, was die mit den Daten anstellen…!“) ab.

Glashaus? Steine? Was?

Bereits vor langer Zeit wurde ein Sachverhalt deutlich (und schon in vielen Hollywood-Produktionen bewiesen): Je mehr ein einzelner mit dem Finger auf andere zeigt und je lauter er einen angeblichen Missstand anprangert, desto mehr will er von seiner eigenen Unzulänglichkeit ablenken resp. desto mehr  hat er selbst „Dreck am Stecken“.

Nun, ich habe definitv gar nichts dagegen, dass Daten über mich und meine Nutzungsgewohnheiten im Internet erhoben und analysiert werden: Ich habe nichts zu verbergen! Die Vehemenz, mit der allerdings „Datenschützer“ diese Datenerhebungsmaßnahmen verdammen, ließe doch tatsächlich anmuten, dass hier eine Angst vor „Entdeckung“ (Besuch von subversiven, inkriminierenden Webinhalten, Schmuddelseiten, etc.) durchklingt…

Geschürt durch die Zwangsparanoia der Datenschutz-Fanatiker wird nun eine wahre Hexenjagd gegen die nach Erfolg strebenden Website-Betreiber angestachelt, und damit jedwede Anstrengung, der Krise zu trotzen, sofort im Keim erstickt.

So wurde auch folgender Inhalt im vorgenannten Artikel veröffentlicht:

Christian Bennefeld Christian Bennefeld auf Xing nachschlagen, Geschäftsführer bei Etracker GmbH Relation Browser , teilt die Kritik am Suchmaschinen-Giganten ebenso entschieden wie grundsätzlich: „Google ist dabei, jeden einzelnen Internetnutzer genauestens zu profilieren. Jeder wird durchleuchtet: Woher er kommt, was er sucht, welche Interessen er hat, wie sein Einkaufsverhalten ist, welche religiöse und politische Einstellung er mitbringt, mit wem und über was er korrespondiert, welche Bilder er im Urlaub gemacht hat und und und. Sicherlich will Google uns mit diesem Wissen nur Gutes tun und seine Werbung gezielter ausliefern. Toll, dass ich dann keine Werbung für Damenmode mehr bekomme. Nur: um welchen Preis?“

Ja, Herr Bennefeld, könnten Sie Ihre rethorische Frage „Nur: um welchen Preis?“ einmal ernsthaft selbst beantworten? Vielleicht komplett ohne Polemik? Und vielleicht auch ohne Ihre hauseigene Lösung in den Vordergrund zu stellen? 🙂

IP-Adresse ist anscheinend „sensibler“ als die Bankverbindung

Komischerweise prangert derzeit keiner die real existierenden Gefahren an: Bonus-Systeme wie z. B. payback oder die Datenerhebungen der Mobilfunkbetreiber, etc. Bitte nicht falsch versethen: Ich habe grundsätzlich auch nichts gegen diese Art der Datenerhebung. Nur werden hierbei doch noch viel sensiblere Daten als meine (oftmals dynamische) IP-Adresse oder ein Cookie auf meinem Rechner gespeichert: hier erlangt der Anbieter definitv Kenntnis über meine Adresse, meine Bankverbindung, mein Geburtsdatum, meine Adresse,  und vor allen Dingen: MEIN Kaufverhalten en Détail.

Ja, hier habe ich dann wohl auch einen Vertrag unterzeichnet, bei dem irgendwo (mehr oder minder) glaubhaft versichert wird, die Datenschutzbestimmungen einzuhalten und meine Daten nicht an Dritte weiterzugeben und bla bla bla… Mal Hand auf’s Herz: 1. Wer liest das? 2. Wer hat nicht durch einen solchen Vertrag schon einmal unerwünschte Werbung per Post erhalten? Nun werden viele aufbegehren: „…Sie haben doch unterschrieben, dass ‚Partner‘ des Vertragspartners Ihnen geeignete Produkte…“ Klar habe ich das. Aber deshalb wird die gefühlte Belästigung nicht weniger und die angeblich geeigneten Produkte nicht „geeigneter“…

Tracking = Warenhausanalyse

Für mich stellt das Tracking (neben der Tatsache, dass wir damit Geld verdienen – Ja, ich „oute“ mich!) ein sinnvolles Instrument für die Messung der MASSEN-Akzeptanz der Webseiten dar und hilft dabei, diese ständig zu verbessern. Dabei tritt kein Individuum in den Vordergrund. Auch interessiert mich nicht, in welcher Strasse der einzelne Besucher der Site wohnt. Vielmehr ist für mich das Gesamtbild von Bedeutung.

Vergleichen wir das Tracking doch einfach einmal mit einem Warenhaus: Sie sind der Geschäftsführer und beobachten die Laufkundschaft, wie sie sich Artikel aus dem Angebot heraussucht, begutachtet, zur Kasse geht, bezahlt, in eine andere Abteilung schlendert, etc. Wenn ich Sie nun am Ende des Tages frage, WER die EINZELNEN Kunden waren, wohin sie gegangen sind, welche Artikel sie betrachtet und letztendlich gekauft haben, werden Sie wahrscheinlich mit den Achseln zucken und zugeben, es nicht zu wissen.

Welche Information Sie aber gewiss am Ende eines Tages haben wollen, ist wieviel Umsatz und ggf. wie viele Verkäufe das Warenhaus mit seinen vielen Abteilungen gemacht hat. Vielleicht haben Sie auch noch ein paar Aushilfskräfte engagiert, die die Anzahl der Personen ermittelt haben, die das Warenhaus betreten haben. Dann könnten Sie sogar eine Conversion-Rate berechnen!

Worauf ich hinaus will ist, dass auch beim Tracking – wie im Warenhausbeispiel geschildert – eine massenbedingte Anonymität vorherrscht.  Der Warenhaus-/Sitebetreiber interessiert sich nicht für das (Kauf-)Verhalten des Einzelnen, sondern nur für das der Masse; Gesichter und Individuen sind völlig gleich. Erst durch eigenes Zutun (z. B. Kontaktaufnahme mit dem Verkäufer) des Besuchers, tritt dieser aus der Anonymität der Masse und bekommt folglich eine Identität (Name, Gesicht, etc.) .

„Verlangsamung“ von Prozessen durch sinnlose Opt-Ins

Im Zuge dessen wird plötzlich wieder der Schrei nach Opt-Ins laut. Opt-In… Was für ein Wort in diesem Zusammenhang! Wir alle können uns noch lebhaft an die Zeiten erinnern, als es „schick“ war eine Flash-animierte Startseite mit einem ewig langen Intro zu präsentieren? Und in den Anfängen konnte man diese auch nicht überspringen, da es keinen „Skip“-Button gab… Wie oft hat man sich dann die von mal zu mal nerviger werdende Animation eines Balls, Autos oder schlichtweg Wortes anschauen müssen, bis man endlich auf den eigentlichen Inhalt zugreifen konnte? Nun, damals war das eben so! Und man hatte auch mehr Zeit zum Surfen – es gab auch noch nicht sooooo viele geeignete Websites. (Anmerkung des Autors: Erfolge wurden aber schon damals mit häßlichen „Zählern“ auf der Website oder mit rudimentären Loganalysen gemessen)

Heute ist alles anders – wir nutzen eine Suchmaschine (ich sage explizit nicht, welche) um geeignete Informationslieferanten für einen gegebenen Suchbegriff zu finden. Und dann klicken wir uns durch die Angebote: erster Link, zurück, zweiter Link, zurück, erste Paid Placementanzeige, zurück, dritter Link, zurück, etc.  Jedenfalls geht es mir so. Jetzt stelle ich die Frage in den Raum: Wie hoch wird die Frustration des Nutzers sein, wenn bei jedem Link, den er anklickt, ein Splash-Screen erscheint, der ihn fragt, ob er damit einverstanden ist, wenn sein Besucherverhalten mittels Tracking analysiert wird? Und wie groß wird die Akzeptanz des Nutzers sein, wenn er die gleiche Frage jedesmal beim Betreten der SELBEN Website gestellt bekommt? Schließlich ist das Speichern der Antwort mittels Cookie auf dem Rechner des Nutzers oder auf dem Server des Anbieters ebenfalls verwerflich…

Fazit

Es ist schon spannend zu sehen, wie sich doch der Deutsche ereifert, wenn es um die Privatsphäre und seine Daten geht… Liebe Leute, die Nutzung des Internets setzt – wie auch das Fahren mit dem Bus – die Mündigkeit des Benutzers voraus! Wenn also ein Nutzer nicht wünscht, dass seine Daten gespeichert oder sein Verhalten analysiert wird, muss er lediglich seinen Browser entsprechend einstellen.

Herr Schaar, vielleicht sollten Sie sich zunächst einmal mit der Technik und den Anforderungen der heutigen Zeit vertraut machen, anstelle Ihre Profilneurose zu kultivieren; Sie wissen doch: Wer zu allem seinen Senf gibt, wird schnell für ein Würstchen gehalten! Gerne laden wir Sie aber ein, unser nächstes Training zu Google Analytics KOSTENFREI zu besuchen…

Kommentare und Diskussionen sind herzlich willkommen!

Ihr
Holger Tempel

5 Kommentare zu „Hexenjagd 2010 oder “Wir machen Stimmung gegen Google…!”“

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