Google Analytics – Einschränkung durch Nutzungsbedingungen

Bereits am 29. September berichteten wir über den Launch von Google Analytics Premium in einem Blog-Post. Fast schon schleichend und ohne Ankündigung ging mit dem Start des neuen Analyse-Dienstes aber auch eine Änderung der TOS (Terms Of Service, Nutzungsbedingungen) für Google Analytics Standard einher: Die Festsetzung der maximalen Anzahl an Seitenaufrufen (Page Views) pro Monat.

5 Mio. Page Views oder mehr?

Geänderte Nutzungsbedingungen können den Nutzern zum Nachteil gereichenViele von Ihnen besonders diejenigen, die an unseren Trainings und Seminaren teilgenommen haben, erinnern sich bestimmt daran, dass Google Analytics eine Grenze von 5.000.000 Page Views pro Monat und Konto aufwies. Bei maximal 50 Profilen pro Konto landeten wir bei einer Zahl von 100.000 Seitenzugriffen (im Durchschnitt).

Im Laufe der Zeit – und natürlich auch der Weiterentwicklung von Google Analytics geschuldet – wurden von Google auch neue Techniken in Google Analytics implementiert. So z. B. das allseits beliebte Ereignis-Tracking, mit dem sich auf wunderbare Weise die Nutzung eines Videoplayers analysieren lässt. Viele vergessen dabei aber, dass jede Information in Bezug auf das Ereignis-Tracking ebenfalls einen (virtuellen) Page View darstellt.

Ergo durfte sich niemand wundern, wenn er einige stark frequentierte Seiten mit verschiedenen Videos zur Verfügung stellte, deren Nutzung er auswerten wollte. Eine einfache Rechnung: 10 Seiten mit Videos, 100 Besucher täglich, jeder Besucher spielt das Video  ab und hält es während der Wiedergabe einmal an. Na? 10 Seiten x 100 Besucher x 30 Tage x 4 Ereignisse (Video laden, Video abspielen, Video pausieren, Video stoppen) = 120.000 Ereignisse (= Page Views)

Wenngleich auch viele Websitebetreiber darin keine wirkliche Einschränkung sahen und sich über eine solch hohe Anzahl an Seitenabrufen gefreut hätten, gab es dennoch einige Unternehmen, welche diese Limits innerhalb einer Woche oder sogar schon nach einem Tag erreicht hatten.

Für genau diese Klientel räumte Google seinerzeit die Möglichkeit ein, durch die Eröffnung eines Google AdWords Kontos und die Kombination dessen mit dem Google Analytics Konto, die Limitierung aufzuheben und eine unbegrenzte Anzahl an Page Views zu erfassen. Und zwar auch dann, wenn mit dem Google AdWords Konto nur ein minimaler Umsatz von 1 USD pro Tag erzielt wurde.

10 Mio. Page Views. Basta!

Wie Eingangs schon erwähnt, wurde die Änderung, ohne Aufhebens darum zu machen, schleichend vollzogen. Denn in den aktuellen Nutzungsbedingungen steht nun unter 2 ENTGELT UND SERVICE zu lesen:

2.1 Vorbehaltlich einer Änderung der Bedingungen nach Klausel 15 wird der Service unentgeltlich erbracht, vorausgesetzt dass über Ihren Account monatlich nicht mehr als zehn Millionen (10.000.000) Page Views verarbeitet werden.

Was heißt das nun im Klartext? Wie auch schon in der vorher gültigen Regelung werden alle Seitenaufrufe, die nach dem Überschreiten des gesetzten Limits eingehen, verworfen. Und eben die Firmen, die schon mit 5 Mio. Page Views nicht auskamen, haben mit diesem Hardlimit wohl die gleichen Probleme. Nur mit dem Unterschied, dass sie diesmal durch die Eröffnung oder die Verknüpfung eines Google AdWords Kontos keine Aufhebung der Beschränkung erfahren können.

Was jetzt? Irgendwelche Vorschläge?

Leider existieren für die Websitebetreiber, die dieses Hardlimit überschreiten nicht sonderlich viele Alternativen. Die erste Möglichkeit – und wohl auch die unbefriedigendste – wäre das so genannte Sampling, bei dem über den Tracking Code eine frei wählbare Prozentzahl an Traffic erfasst wird. So könnten Sie bei 100.000 Besuchern pro Monat über die Funktion _setSampleRate() bestimmen, dass Sie davon nur 50% erfassen wollen – in der Hoffnung, diese 50% verursachen nicht mehr Page Views als das besagte Limit.

Die zweite Alternative wäre der Einsatz von Urchin from Google, dem käuflichen Pendant von Google Analytics (aus dem Google Analytics übrigens hervorgegangen ist), welches auf dem eigenen Equipment betrieben wird. Jedoch ist diese Lösung mit knapp 8.000 EUR einmaligen Lizenzkosten keine kleine Investition. In Kombination mit leistungsfähiger Hardware und zusätzlicher Software – der Urchin Appliance ist schnell eine Größenordnung von 16.000 bis 33.000 EUR erreicht.

Die dritte und letzte Alternative wäre das Abonnement von Google Analytics Premium, welches ein Limit von einer Milliarde Page Views pro Monat aufweist und somit den Bedürfnissen selbst größter Unternehmen gereicht. Allerdings hat diese „Freiheit“ auch ihren Preis: So ist im Euro-Land damit zu rechnen, dass die Nutzung von Google Analytics Premium zwar als Flatrate bezeichnet wird, aber dennoch jährlich im sechsstelligen Bereich anzusiedeln sein wird. Leider ist dieser Service in Europa noch nicht verfügbar (geplanter Start: Ende November 2011). Sobald Google Analytics Premium in Deutschland abonnierbar ist, werden wir darüber bloggen. Bis dahin können Sie sich auf unserer Website vorregistrieren

10 Kommentare zu „Google Analytics – Einschränkung durch Nutzungsbedingungen“

  • Ist denn diese Obergrenze schon wirksam oder ist das erstmal nur ein vorsorglicher Satz in den AGBs?

  • Matthias:

    Page Views ist wirklich ein irreführender Begriff, wenn damit eigentlich Server Calls bzw deutsch „Ereignisse“ gemeint sind. Wenn Google das Limit in Page Views definiert können sie schlechterdings den Begriff einfach umdeuten, dann müsste das schon anders in den AGBs definiert werden. Man sollte auch vermeiden dieser Ereignisse mit Page Views zu „übersetzen“, das wird sonst schnell zu groben Missverständnissen führen.

    GA als Bezahlmodell soll offenbar auf dem Markt etabliert werden. Somit werden für manche professionelle GA Anwender mit mind. mittleren Zugriffsvolumen, aber ohne Budget um sich GA Premium zu leisten, auch andere Bezahldienste eine ernsthafte Alternative sein. So gesehen könnte es also zu etwas mehr Vielfalt kommen (bis die Cookie Opt-In Gesetze alles wieder über den Haufen werfen 😉

  • Hallo Matthias,

    in der Tat ist Page View kein glücklich gewählter Terminus. Daher spricht Google auch immer öfter von Hits – und stellt sich damit wieder selbst ein Bein. Schließlich ist Hits das Acronym für „How idiots track success“ in Anlehnung an die Treffer (Hits) für alle Arten von abgerufenen Webseitenelementen (css, js, gif, etc.) in einem Webserver-Logfile. Jedoch mein Google mit den Hits tatsächlich alle Page View und Events.

    LG
    Holger Tempel

  • Hallo Markus,

    laut Google (Treffen am 28.09.2011) ist die Obergrenze „scharf“.

    LG
    Holger Tempel

  • Jeanette:

    Danke für diesen Artikel, ohne den mir das offen gestanden nicht aufgefallen wäre!

    Im ersten Absatz bringst du die Seitenzugriffe in Zusammenhang mit den Profilen, was mich etwas verwirrt. Hängt Googles Definition der Seitenzugriffe etwa von der Zahl der Profile ab? Werden etwa 100 tsd. Seitenzugriffe bei 2 Profilen zu 200 tsd. lt. Google? Doch (hoffentlich) eher nicht, oder?

  • Hallo Jeanette,

    ich fürchte, genau so ist das. die 10 Millionen Hits zählen lt. Google je Konto. Wenn somit in Profil 1 eines Kontos 100K Hits stattfinden und in Profil 2 und 3 jeweils 350K Hits werden diese zu 800K Hits kumuliert.

    HTH

  • Jeanette:

    Danke Holger!

    Ich denke mal, da hatte nicht nur ich einen blinden Fleck, sondern das ist den Wenigsten bekannt. Hast du eine Quelle von Google hierzu?

    Nehmen wir mal eine Standardsituation: Website = Domain = GA-Konto = maximal 10 Mio. Hits. Nehmen wir der Einfachheit halber an, das GA-Konto hat 4 Profile, alle ohne Filter und die Website hat 200 tsd. PageViews pro Monat. Dann ergeben sich nach Google tatsächlich 200 tsd. x 4 = 800 tsd. PageViews?

    Mit der kein-Problem-da-legen-wir-einfach-ein-neues-Profil-an-Einstellung wäre es dann für nicht allzukleine Websites ziemlich vorbei.

  • Hallo Jeanette,

    Die Quelle von Google sind die TOS selbst: „…über Ihren Account monatlich nicht mehr als zehn Millionen (10.000.000) Page Views verarbeitet werden.“. Hier wird deutlich, dass die PVs je Konto gelten. Und die Profile sind bekanntlich dem Konto selbst unterstellt.

    HTH

  • Wer sich nicht die Mühe machen will die Nutzungsbedingungen selbst zu lesen, kann sie jetzt anhören: Wir haben uns die Mühe gemacht diese als literarisches Meisterwerk einzulesen.
    http://www.youtube.com/watch?v=1gsguUr7dag

  • Evtl. könnte man auch die Webanalyse Lösungen der bekannten Marktbegleiter in Erwägung ziehen B-)

    Die kosten zwar Geld, bieten aber auch gute Leistung fürs Geld.

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